Hintergrund

Versicherungen für Senioren: Oft überflüssig und teuer!

BU: Viele Versicherungen wollen nur das Eine: Ihr Geld. Foto: aboutpixel.de / © soundboy
BU: Viele Versicherungen wollen nur das Eine: Ihr Geld. Foto: aboutpixel.de / © soundboy

Diese „Fachberater“ arbeiten meistens für eine große Versicherungsagentur, welche die Senioren als zahlungskräftigen Kundenstamm entdeckt haben. Sie bieten verschiedene Produkte an und machen mit der Angst alter Menschen viel Geld. Welche Versicherungen können sinnvoll sein, welche sollte man nicht abschließen?


Unfallversicherungen:
Eine Unfallversicherung soll in erster Linie eventuelle finanzielle Verluste ausgleichen, die entstehen, wenn jemand durch einen Unfall dauerhaft körperlich geschädigt ist und sich und seine Familie nicht mehr durch Arbeit versorgen kann. Für Versorgungsempfänger und Rentner wird dieses Problem in der Regel nicht auftauchen, da auch bei Invalidität die Pension und die Rente unverändert gezahlt wird.
Allerdings können als Folge eines Unfalls zum Beispiel barrierefreie Umbauten in der Wohnung erforderlich werden oder zusätzliche Pflegekosten entstehen. Wer dieses finanzielle Risiko jedoch abdecken will, für denjenigen kann eine Unfallversicherung sinnvoll sein.
Aber Achtung: Bei alten Menschen wird Invalidität in den allermeisten Fällen durch Krankheit und nicht durch Unfall verursacht. In solchen Fällen zahlt die Unfallversicherung nicht.
Und es gibt eine Reihe von weiteren Haken: 

  • Viele Versicherungen zahlen die vertragliche Kapitalleistung erst ab einer Invalidität von 50 Prozent.
  • Viele Verträge enden bei Erreichen einer bestimmten Altersgrenze automatisch.
  • Die Versicherungen können den Vertrag ordentlich kündigen.

Eine spezielle Variante sind „Senioren-Unfall-Versicherungen“ mit so genannten „Assistance-Leistungen“. Das bedeutet, eine reguläre Unfallversicherung wird mit verschiedenen Dienstleistungen im häuslichen Bereich kombiniert, wie: Menüservice, Erledigung von Einkäufen, Begleitung zum Arzt oder zu einer Behörde, Waschservice, Hausnotruf, Gartenpflege und Schneeräumdienst, Wohnungsreinigung.

Dieses Angebot klingt insbesondere für allein stehende Menschen verlockend, die niemanden haben, der sich um sie kümmern kann, wenn sie einmal längere Zeit ans Bett gebunden sind.
Doch auch hier gilt wieder: das Kleingedruckte genau lesen. Nicht jede Versicherung zahlt für diese Leistungen – einige vermitteln sie nur. Die Kosten muss der Versicherte dann aus der eigenen Tasche zahlen.

Außerdem sollte jeder, der diese Leistungen haben möchte, darauf achten, dass die Versicherung auch bei einem Oberschenkelhalsbruch wirklich zahlt – unabhängig davon, ob er auf einem Unfall beruht oder nicht (was „normaler Menschenverstand“ als Unfall wertet, wird von Versicherungsjuristen zuweilen anders gesehen). Bei manchen Versicherungen ist zudem eine Leistung bei einem Unfall erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorgesehen.
Auch gilt hier: Diese Art der Versicherungen mit „Assistance-Leistungen“ sind nicht billig. Es kann sich also durchaus lohnen, einmal durchzurechnen, was solche „Hilfeleistungen“ kosten, wenn man sie auf eigene Rechnung bucht, beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz oder bei den Johannitern.

Sterbegeldversicherung:
Fest steht, Beerdigungen sind teuer. Und wer möchte schon ein „Billig-Begräbnis?“ Auch sind viele ältere Menschen der Ansicht, die Angehörigen sollten möglichst nicht mit den Kosten einer Bestattung belastet werden. So denken viele Senioren - und die Versicherungen machen mit den Sterbegeld-Versicherungen ein gutes Geschäft.
Bei den Sterbegeld-Versicherungen handelt es sich um eine Kapital-Lebensversicherung, die der Versicherte bis zu seinem Tod- bzw. maximal bis zum 85. Lebensjahr zahlen muss. Die Hinterbliebenen bekommen dann (nicht immer sofort nach dem Tod) die Versicherungssumme zuzüglich eines Gewinnanteils (auch der nicht immer garantiert) ausgezahlt.

Verbraucherschützer warnen davor, diese Versicherung anzuschließen! Stirbt der Versicherte innerhalb von drei Jahren nach Vertragsabschluss, wird häufig nicht die volle Summe ausgezahlt. Das kann bedeuten: Es wurde mehr eingezahlt, als am Ende tatsächlich an Leistung ausgezahlt wird.

Hinzu kommt noch, dass die Rendite bei dieser Art Versicherung sehr schlecht ist. Die Alternative: Sparen Sie das Geld für Ihre Beerdigung und legen Sie es gut verzinst an.


Rentenversicherung für Senioren:
Wenn aus einer Lebensversicherung plötzlich Geld frei wird, stellt sich die Frage: Wie soll man das Geld vernünftig anlegen. Es gibt die Möglichkeit, durch einmalige Zahlung eines höheren Geldbetrages den Anspruch auf eine private Zusatzrente zu erwerben. Das kann sinnvoll sein, wenn

  • der Versicherte kerngesund ist,
  • nicht wesentlich älter als 60 Jahre ist und dadurch von der Rente lange etwas haben wird.

Der Haken dabei: Stirbt der Versicherte, haben in aller Regel die Erben ncihts von dem eingezahlten Geld. Das fällt dann der Versicherung zu.

Pflegeversicherung:
Den Bürgern ist schon lange klar: Auf seine gesetzliche Pflegeversicherung allein kann sich niemand mehr verlassen – sie stellt im besten Falle eine Grundsicherung dar.
Dies heißt auch, wer pflegebedürftig wird, der muss aus der eigenen Tasche zuzahlen. Dies kann bei einer vollstationären Pflege in der Pflegestufe III extrem teuer werden.
Eine private Pflegezusatzversicherung ist deshalb durchaus sinnvoll, allerdings sollte sie beizeiten abgeschlossen werden. Wer über 65 Jahre alt ist, hat kaum noch Chancen, eine solche Versicherung zu bekommen – oder sie wird sehr teuer.
Es werden auch verschiedene andere Versicherungs-Produkte angeboten:
Bei einer angebotenen Pflegerentenversicherung handelt es sich um eine Kombination von Sparvertrag und einem Versicherungsschutz gegen Pflegebedürftigkeit und Tod. Doch die Stiftung Warentest rät von dieser Versicherung ab. Der Grund: zu hohe Beiträge, intransparent, unrentabel – so das Urteil.

Empfehlenswerter ist die Pflegekostenversicherung, die einen bestimmten Anteil der tatsächlich entstandenen Kosten zahlt. Aber für diese Versicherung ist zu empfehlen: Vergleichen Sie möglichst viele Angebote und lesen Sie das Kleingedruckte. - lo

(Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie sollen lediglich als Anregung und Hilfestellung verstanden werden.)

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