Die Analyse „Senioren und Kriminalität“ der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle Düsseldorf zeigt die Entwicklung für den Zeitraum 1994/1995 bis 2003 in Nordrhein-Westfalen auf.
Die Bevölkerung wuchs in diesem Zeitraum von 17,8 Mio auf 18,1 Mio Einwohner, eine Steigerung um 1,8 %. Die Zahl der ab 60jährigen Einwohner stieg aber um 18,7 % an auf 4,4 Mio. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 1994 rund 20,9 % und steigerte sich in 2003 auf 24,4 %. Nach der Vorausberechnung der Analyse wird im Jahre 2030 jeder dritte Einwohner von NRW über 60 Jahre alt sein.
Senioren als Opfer
Die Gesamtkriminalität stieg zwischen 1995 und 2003 von 1,36 Mio auf 1,5 Mio registrierte Delikte. Dies ist eine Steigerung um 12,5 %. Die hierin enthaltenen Straftaten gegen das Leben, die persönliche Freiheit sowie Rohheitsdelikte einschließlich der Gewaltkriminalität stiegen von rund 92.000 auf rund 165.000. Der Anteil an den Opfern dieser Straftaten lag bei der Altersgruppe der über 60Jährigen jeweils zwischen 5,0 % und 5,4 %.
Gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung (2003 = 24,4 %) trifft Senioren also eine relativ geringere Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen Straftat zu werden als jüngere Menschen. Das Risiko der Gesamtbevölkerung ist statistisch nämlich vier Mal und für Jugendliche oder Heranwachsende zehn Mal so hoch.
Diese rein statistische Betrachtungsweise darf jedoch nicht davon ablenken, dass die absolute Zahl der Opfer unter den Senioren entsprechend der wachsenden Zahl der Senioren gestiegen ist.
Senioren als Tatverdächtige
Von 1993 bis 2003 stieg die Zahl der tatverdächtigen Senioren um 48,2 % auf rund 30.000. Das bedeutet einen Anteil an der Gesamtbevölkerung zwischen 5,5 % und 6,3 %. Insofern haben die über 60Jährigen, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, einen vergleichsweise geringen Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen. Die Kriminalitätsbelastung der Gesamtbevölkerung ist rund vier Mal, die junger Tatverdächtiger rund zwölf Mal höher als die der Senioren.
Senioren erscheinen als Tatverdächtige meist im Zusammenhang mit Diebstahlsdelikten, und dann zu 90,3 % wegen eines Ladendiebstahls. Eine Steigerung ist im Zusammenhang mit Vermögens- und Fälschungsdelikten zu verzeichnen.
Kriminalitätsfurcht der Senioren
Die steigende Zahl von Senioren aufgrund der demografischen Entwicklung bedeutet nicht gleichzeitig einen Anstieg der Gefahren für diesen Personenkreis. Für jüngere Menschen ist das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, vergleichsweise wesentlich höher. Aber subjektive Furcht und Angst vor einer möglichen Straftat wachsen mit zunehmendem Alter. Dies hängt mit der persönlichen Situation zusammen, wenn man zum Beispiel allein lebt, gesundheitlich angeschlagen ist oder sich ansonsten schwach fühlt. Diese Situationen machen Senioren andererseits für Kriminelle auch zu „lohnenden Opfern“.
Die zunehmende Mobilität von Senioren, die sich zum Beispiel durch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, an Reisen in alle Welt und eine allgemeine Weltoffenheit darstellt, bringt neue Tatgelegenheitsstrukturen zum Beispiel im Bereich der Betrugs- und Diebstahlskriminalität.
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in Zukunft weiter steigen. Vor dem Hintergrund von Personalmangel oder nicht ausreichender Qualifikation des Personals in den Pflegeeinrichtungen kann es zu Überforderungen und Aggressivität kommen mit dem Problem der Pflegegewalt.
Wenn pflegebedürftige Menschen in ihrer bisherigen Wohnung weiterhin wohnen bleiben und versorgt werden, dann kann das eine „günstige Tatgelegenheit„ für Eigentums-, Betrugs- und Sexualdelikte schaffen.
Schutz der Senioren
Die Analyse erkennt, dass „polizeiliche Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen ....... vermehrt den speziellen Bedürfnissen älterer und alter Menschen genügen“ müssen. Polizeiliches Ziel müsse daher sein, „Kontaktmöglichkeiten auszubauen, Ansprechbarkeit zu signalisieren und Hemmschwellen zu reduzieren.“ ik
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polizei-nrw.de
