Hintergrund

Achten Sie mal auf Ihre Ohren, liebe Altersgenossen!

Foto:pixelio.de/Rainer Sturm
Foto:pixelio.de/Rainer Sturm

Das mit den Ohren ist zwar richtig, denn die Knorpelzellen seien im Alter teilungsfreudiger als der Rest der Körperzellen, wie der Koordinator der Studie, Heiner Müller- Arnecke sagt. Es ist aber doch wohl eher ein die Beachtung fördernder Aufhänger in Richtung der märchenhaften „Großmutterohren“. Ernsthaftes Ziel waren jedoch mehr die anderen Messdaten.

Die Forscher nahmen die Maße von Bauch, Rücken, Kopf, Armen, Händen und Beinen der Gruppe der 60- bis 69-jährigen Angehörigen der Generation 60pro und ermittelten so erstmals Daten über die Entwicklung des Körperbaus bis zum 70. Lebensjahr.

Kleiner, dicker und langsamer

Zu den Ergebnissen der Erhebung gehört unter anderem, dass Brustkorb und Taille der Testgruppe durchschnittlich etwa vier Zentimeter breiter als bei 20- bis 29-jährigen sind. Die Körperlänge reduziert sich demgegenüber um bis zu fünf Zentimeter. Grundsätzlich werden die Menschen im Alter kleiner, dicker, unbeweglicher und langsamer. Ein Eindruck, den man schon vorher von sich und seinem persönlichen Umfeld hatte, aber nun ist er wissenschaftlich belegt.

Wichtig ist, und das ist der Sinn der Prozedur und das besondere Anliegen von Müller- Arnecke, dass die Industrie bei ihrer Produktgestaltung zum Vorteil der Nutzer dieser Tatsache Rechnung trägt. Die Gruppe der Generation 60pro ist in der Zahl und in der Kaufkraft so bedeutend, dass es für die die Industrie wirtschaftlich sinnvoll und notwendig ist, sich auf die besonderen Bedürfnisse dieses Marktsegments einzustellen. Im Jahre 2050 wird die Zahl der über 65-jährigen in Deutschland auf 23 Millionen steigen, zehn Millionen davon sind älter als 80 Jahre.

Eindeutige Prioritäten

Die Gruppe der über 50-jährigen ist heute schon mit über 30 Millionen Menschen am größten. Reifere Menschen haben ihre eindeutigen Prioritäten. Die angebotenen Produkte und die Werbung zielen aber dennoch nach wie vor und fast ausschließlich auf die jungen Verbraucher ab.

Das aus eigener Erfahrung oft zitierte Beispiel ist das Handy! Das Handy ist inzwischen für fast jeden aus unterschiedlichen Gründen unverzichtbar. Was machen die Hersteller? Sie packen das Handy mit Zusatzfunktionen voll, um sich durch eine Vielfalt an Diensten zu profilieren, die nicht einmal die anvisierte Zielgruppe in Anspruch nimmt.

Bitte kein „Senioren“ – Etikett

Wir wollen telefonieren, das reicht! Und das mit einer Tastatur, auf die unsere Finger passen und mit einem Display, das groß genug ist, Zahlen und Buchstaben gut und kontrastreich lesen zu können. Aber bitte nicht mit dem Argument und dem Etikett „Senioren-Handy“. Wir wollen keinen „Senioren-Teller“, kein „Senioren-Auto“, keine „Senioren-Bekleidung“, keine „Senioren-Möbel“ und auch kein „Senioren-Handy“; sondern Produkte die der Realität gerecht werden. Der Porsche wird auch nicht als Senioren-Auto deklariert, obwohl das Durchschnittsalter der Porsche-Fahrer 57 Jahre ist.

Das Alter und die entsprechenden Produkte können und sollen nicht allein über die Zahl an Lebensjahren definiert werden. Geistige und körperliche Fitness, sowie die Interessen für die Lebensgestaltung haben eine ganz andere Realität, als das Bild von den „Alten“, das viele aus nicht nachvollziehbaren Gründen im Kopf haben.

Die vermeintlichen Alten sind auf der Höhe der Zeit. Jeder Dritte der über 50-jährigen ist heute online, mittlerweile sind das mehr Angehörige der Generation 60pro als 14- bis 19-jährige. Die Generation 60pro wird den besonderen Interessen nachgehen und die Produkte finden, die ihrem Anspruch adäquat sind. w.s.
 

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