Natürlich kann nur jeder Mensch ganz allein für sich entscheiden, wie er mit „Versäumtem“ umgeht. Aber was heißt schon „versäumt“? Vieles, was wir für erstrebenswert hielten, konnten wir nicht verwirklichen, weil die Umstände (finanziell, familiär, beruflich) dies nicht zuließen. Es gab Phasen, in denen – körperlich oder seelisch - einfach die Kraft gefehlt hat, Neues zu beginnen, Veränderungen einzuleiten, etwas Anderes zu machen. Manchmal war es auch der Partner oder die Partnerin, die meine Pläne nicht akzeptierten, was ich dann wiederum akzeptiert habe – möglicherweise aber nur vordergründig.
Mit fortgeschrittenem Alter sind viele der Hinderungsgründe für das, was wir zwar wollten aber nicht realisierten, weggefallen. Dann gibt es oftmals nur noch wenige tatsächliche oder vermeintliche Gründe gegen eine (eigentlich immer noch gewünschte) Realisierung. Tatsächliche Hinderungsgründe sind zum Beispiel Krankheit oder finanzielle Probleme. Vermeintliche Gründe wiegen jedoch oft viel schwerer: Dafür bin ich doch zu alt! Was werden die Kinder sagen? Was denken die Nachbarn!
Zum persönlichen Glück eines Menschen gehören auch in einem fortgeschrittenen Alter Träume und die Erfüllung von Wünschen. Denken Sie deshalb von Zeit zu Zeit darüber nach: Was wollte ich eigentlich immer schon mal machen, erleben oder ändern? Am besten ist es, dies aufzuschreiben.
Wunschpalette kann groß sein
Die mögliche Wunschpalette kann riesengroß sein: Eine besondere Urlaubsreise,
ein Hobby, eine neue berufliche Ausrichtung oder eine Nebentätigkeit, eine zusätzliche Ausbildung (Seniorenstudium), die Änderung einer Wohnsituation vom Land in die Stadt oder umgekehrt, das Wechseln in eine Wohngemeinschaft oder in eine Senioreneinrichtung oder sogar die Trennung vom Partner/von der Partnerin bzw. das Eingehen einer neuen Partnerschaft. Dies erfordert zunächst noch keinen Mut, sondern einzig und allein die Bereitschaft, über die eigenen Wünsche nachzudenken.
Verdrängen Sie die Gedanken, was wohl die Kinder, die Nachbarn, die Freunde dazu sagen werden. Werden Sie mich für vollkommen verrückt halten? Bin ich dann auch noch anerkannt? Oberstes Gebot: Es geht hier in erster Linie um Ihr persönliches Wohlergehen, nicht um die Wertung oder Bewertung durch andere. Sie sind ein Individuum und nur sich selbst gegenüber verantwortlich. Verhindern Sie Ihren weiteren Entscheidungsprozess auch nicht mit eigenen „Totschlag-Argumenten“ wie zum Beispiel, Sie seien doch eigentlich zu alt oder zu krank für etwas Neues. Änderungen im Leben geben oft viel neue Kraft und Zuversicht.
Eine lebensbejahende Entscheidung
Nach gründlichen Überlegungen, Recherchen und Kalkulationen auch in finanzieller Hinsicht steht die Entscheidung an, die Sie allein an Ihrem Wohl ausrichten sollten. Sollten Sie sich dann für ein JA entscheiden - Herzlichen Glückwunsch! Mit diesem Ja entscheiden Sie sich nämlich für sich persönlich. Sie treffen eine lebensbejahende Entscheidung. Diese Entscheidung kostet in den meisten Fällen viel Mut und Kraft. Sie bejahen jedoch hiermit ihre eigenen Bedürfnisse, Sie treffen somit eine Entscheidung für sich - damit eventuell auch eine Entscheidung gegen Andere. Daher sollten Sie sich relativ sicher sein, dass Sie diese getroffene Entscheidung auch tatsächlich verwirklichen wollen.
Sie haben ein Recht darauf, glücklich zu sein - auch noch im Alter. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, das einem sehr wichtig war oder ist, oder das Gefühl eines nicht ausgefüllten Lebens können sich jedoch auch in höherem Alter sehr negativ auf Seele und Körper auswirken. Eine lebensbejahende, positive Veränderung kann daher eine unglaublich positive Wirkung haben.
Es ist nie zu spät
Stillstand ist Rückschritt, darum bleiben Sie nicht stehen. Jede Bewegung, jedes Aktivwerden tut Ihrer Verfassung gut, wird Sie länger fit und gesund erhalten. Suchen Sie sich neue Aufgaben und Betätigungsfelder, neue Freundeskreise, die Sie beflügeln. Es ist nie zu spät, um Versäumtes nachzuholen. Finden Sie sich nicht einfach ab mit einer Situation, mit der Sie nicht zufrieden sind. Wenn man unzufrieden und unglücklich ist, legt man einen Grundstock dafür, ernsthaft zu erkranken. Ändern Sie das, womit Sie sich nicht abfinden wollen, wenn Sie dazu in der Lage sind. Holen sie Versäumtes nach! Leben Sie aktiv! ik
