Hintergrund

Verwahrlosung- ein großes Problem für ältere Männer

Foto:pixelio.de/bardewyk
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Zunächst einmal ist festzustellen: In der Generation, die heute zu den „Alten“ zählt, standen Berufstätigkeit und Emanzipation der Frau noch im Hintergrund. Berufstätigkeit war oft nur möglich bis eine Familie gegründet wurde. Danach kümmerte sich die Frau und Mutter vornehmlich um die Familie, nahm höchstens eine Teilzeit- oder Aushilfstätigkeit an. Die Haushaltsführung war ihre Hauptaufgabe, wogegen der Ehemann vorrangig für den Lebensunterhalt verantwortlich war. Er wurde von der routinemäßigen Hausarbeit verschont, Hausarbeit war für ihn sozusagen tabu.

Wenn er am Feierabend nach Haus kam, wurde er umsorgt und verwöhnt. Tätigkeiten wie Einkäufe erledigen, putzen, waschen, bügeln oder kochen wurden von ihm ferngehalten. Das war nicht seine Aufgabe. Diese Einstellung, die viele Jahre zur häuslichen Bequemlichkeit führte, kann sich jedoch bitter rächen, wenn Mann die Partnerin verliert. Dann stehen viele Männer überwiegend der älteren Generation buchstäblich auf dem „Schlauch“. Sie erkennen dann, dass Haushaltsführung ein echter Job bedeutet, der gut organisiert sein will.

Bei älteren alleinstehenden Frauen besteht dieses Problem nicht, denn Sie bewegen sich ja auf sicherem Parkett. Das Hauptproblem bei ihnen ist dagegen die finanzielle Absicherung. Wenn der Partner stirbt, fehlen 40 Prozent der Rente, was zu erheblichen Einschränkungen führt. Dieses Problem besteht nicht bei den älteren Männern, da sie ja die Hauptverdiener waren und auch im Ruhestand bleiben.

Eine negative Spirale wird ausgelöst

Dafür haben ältere Männer erhebliche Probleme, im und mit dem alltäglichen Leben menschenwürdig zu überleben. Und wenn erst einmal die Unordnung eingekehrt ist, unregelmäßige und ungesunde Ernährung an der Tagesordnung sind, verschmutzte Wäsche getragen wird und die Wäsche -und Abwaschberge unübersehbar werden, dann kann dies eine Spirale in Richtung Verwahrlosung auslösen.

Viele alleinstehende, nicht nur ältere Männer ernähren sich falsch, wenn sie sich selbst versorgen müssen. Sie können oft nicht kochen und haben nie gelernt, bewusst auf eine gesunde Ernährung zu achten. Im Gegensatz zu den Frauen, die dies in der Regel schon machen, um ihr Körpergewicht zu überwachen. Die regelmäßige Ernährung kann man regeln. Man muss lediglich eine Entscheidung treffen: Man lässt sich das Essen ins Haus kommen (Stichwort „Essen auf Rädern“) oder man geht, wenn es die finanziellen Verhältnisse erlauben, zum Mittagstisch in Restaurants, Bistros und dergleichen. Hier werden inzwischen preiswerte Mittagsmahlzeiten angeboten. Oftmals ist das nicht teurer als ein aufwändiges Essen für eine Person selbst zu kochen. Fertigessen, die nur noch aufzuwärmen sind, kann man im Übrigen auch in Supermärkten kaufen.
 
 
Eine weitere, eher unbequeme Möglichkeit wäre, einen Kochkurs zu belegen und selbst mit dem Kochen zu beginnen. Dies wäre aber gleichzeitig auch eine Entscheidung gegen Vereinsamung, da man in solchen Kursen in Kontakt mit anderen Betroffenen kommt.

Ordnung im Haushalt

Den Haushalt in Ordnung zu halten, ist eine wichtige Voraussetzung gegen eine Verwahrlosung. Die Entscheidung, dies selber zu erledigen oder sich eine Haushaltshilfe zu engagieren, ist in erster Linie eine Frage des Einkommens. Die Wenigsten können sich aber professionelle Hilfe leisten, weshalb die betroffenen Männer sich zwangsläufig mit der Führung ihres Haushalts befassen müssen. Doch für viele ältere, alleinstehende Männer ist dies eine sehr ungewohnte und damit ungeübte Tätigkeit. Obwohl Zeit genug vorhanden ist, wachsen die Wäsche- und Abwaschberge. Müll sammelt sich in den abenteuerlichsten Ecken der Wohnung. Je unordentlicher das folgende Chaos wird, umso mehr geht der Überblick und damit auch der Wille zur Ordnung verloren. Es wächst einem „alles über den Kopf“. Gleichgültigkeit hält Einzug. Der Haushalt vergammelt und mit ihm sein Hausherr.

Ein Haushalt will gut organisiert sein, damit keine Wäsche- bzw. Geschirrberge aufgebaut werden. Daher ein Rat: Immer sofort Schmutzwäsche sortieren und, wenn genügend angesammelt ist, die Wäsche waschen, trocknen, bügeln und zurück in den Schrank legen. Ebenso verfahren Sie mit dem täglich benutzten Geschirr. Wichtig ist, dass man die technischen Geräte nur benutzt, wenn die vorgegebene Füllmenge auch erreicht ist, anderenfalls verschwenden Sie Energie und damit Geld. In der selbständigen Haushaltsführung kann auch die Chance liegen, die vorhandene Zeit sinnvoll zu nutzen. Denn es kann auch Freude machen, wenn alles blitzt und blinkt und das zubereitete Essen gut schmeckt.

Körperpflege nicht vernachlässigen

Zu den auftretenden Schwierigkeiten bei älteren Männern gehören auch die persönliche Körperpflege und die saubere Kleidung. Deren Frauen oder Partnerinnen waren in der Regel von jung auf mit Körper-, Intim- und Hautpflege befasst. Bei Männern der heutigen älteren Generation war dies nur selten der Fall – oftmals nur auf Hinweis oder Druck oder unter Kontrolle ihrer Frauen. Ist dieses „Regulativ“ nicht mehr vorhanden, schleicht sich Gleichgültigkeit ein. Mann – und da kommen die im Alter zunehmend schwindenden optischen und Geruchs-Wahrnehmungen hinzu - nimmt gar nicht mehr seinen Zustand realistisch wahr. Und es ist einfach niemand mehr da, der ihn auf dies und das aufmerksam macht. Es ist deshalb für alleinstehende ältere Männer wichtig, ihre Körperpflege nicht zu vernachlässigen.
 
 
Eigentlich ist es so, dass Körperpflege immer wichtiger wird, je älter man wird. Man muss sich unbedingt alle hierfür erforderliche Zeit nehmen. Denn das persönliche Umfeld, die persönlichen Kontakte hängen oft sehr davon ab, wie man von den Anderen äußerlich wahrgenommen wird. Oftmals fördert eine ungepflegte äußere Erscheinung die Isolation. Und da ist saubere Kleidung auch ein wichtiger Faktor. Man sollte seine Kleidung daher regelmäßig auf Flecken, fehlende Knöpfe oder Verknitterung überprüfen.

Ähnliches gilt auch bezüglich des Körpergewichts, der Mode oder der Art der Kleidung oder der gesamten äußeren Erscheinung. Während für Frauen diese Aspekte traditionell sehr wichtig waren und beachtet wurden, spielten sie für die meisten Männer der älteren Generation eine eher untergeordnete Rolle. Mama legte jeden Morgen die Kleidung für den kommenden Tag raus, Kleidung, zu deren Kauf sie ihren Gatten fast gezwungen oder die sie ihm selbst gekauft hatte. Selbstverständlich entschied sie auch bezüglich der für den jeweiligen Tag passenden Krawatte und auch der sonstigen Accessoires. Nun allein, sind viele Männer in diesen Fragen einfach hilflos. Eine Möglichkeit besteht darin, sich in diesen Fragen vertrauensvoll an die eigene Familie oder Nachbarn zu wenden. Man kann aber auch mal was Neues kaufen und den Verkäufer befragen. Eine Regulierung des Körpergewichts – schon aus gesundheitlichen Gründen - ist jedem möglich und auch anzuraten, zum Beispiel auch mit ärztlicher Hilfe.

Soziale Kontakte pflegen

Beim Aufbau und bei der Pflege sozialer Kontakte tun sich ältere Männer oft viel schwerer als Frauen. Verheiratete Männer verlassen sich nämlich gerne auf ihre Frauen, wenn es um Verabredungen mit Freunden und/oder der Familie geht. „Das fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich des Mannes“, sagt man nach dem Motto: Lass die Frauen mal machen! Wenn dann die Partnerin plötzlich nicht mehr da ist, entsteht auch in dieser Hinsicht erst einmal eine Leere. Denn es ist erwiesen, dass ältere Männer nur bedingt fremde Hilfe annehmen. Die Kontaktarmut und vielleicht auch –angst älterer Männer zeigt sich zum Beispiel sehr deutlich in den Seniorenclubs oder -begegnungsstätten, wo auf 30 Frauen manchmal nur ein Mann kommt. Es besteht die große Gefahr der sozialen Vereinsamung und gesellschaftlichen Isolation. Einsamkeit kann zur ernsthaften physischen und/oder psychischen Erkrankung führen.

Eine ungeordnete häusliche Situation, keine Regelmäßigkeiten, keine regelmäßige Essenszeiten, keine Kontakte – dieses Szenario kann sehr leicht in die Vereinsamung und Verwahrlosung führen. Damit verbunden ist auch sehr schnell Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch.

Dem zu begegnen sind alle aufgerufen, die von einer solch bedrohlichen Situation erfahren, vor allem Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde, Seniorenräte, Kirchliche Institutionen oder Vereinsmitglieder, wenn der Betroffene sich in einem Verein engagiert hat. Fest steht, der Betroffene selbst kann sein Problem kaum selbst lösen. Er ist auf die Hilfe und Unterstützung seiner Umgebung angewiesen. Hier ist jeder aufgerufen, der Kenntnis von einer drohenden Verwahrlosung erhält. Verschließen Sie daher nicht die Augen, sondern handeln Sie! Überdenken Sie Ihre eigene Situation. Vielleicht geraten Sie selbst einmal in eine Lage, in der Sie nur mit fremder Hilfe überleben können. Wir alle tragen soziale Verantwortung für hilfsbedürftige Menschen in unserer Nähe.   ik

 

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