Hintergrund

Wer später stirbt, ist länger schön

Foto:pixelio.de/geralt
Foto:pixelio.de/geralt

Schön ist es des Weiteren, dass man im Zusammenhang mit dem Alter auch einmal ausführlich über etwas Vergnügliches berichtet. Mit dieser durch das Alter gewonnenen Souveränität kann man sich diesem informativen und durchaus wohlwollenden Artikel zuwenden, da er sich an vorderster Stelle mit der Generation 60pro beschäftigt, wenn auch offensichtlich aus der Position eines Betrachters, der diese „alten Leute“ aus stilistischen Gründen ganz originell und sympathisch findet.

Sie durchbrechen die Monotonie

Etwas plakativ werden ein paar auffallenden Exoten, die es in jeder Altersgruppe gibt, als eine ganze Generation definiert: „Die Alten“. Sie werden fotografiert und unter www.advancedstyle.blogspot.com ins Internet gestellt. Das ganze spielt sich in New York ab, aber ein bisschen New York ist ja überall….. Aber lassen wir das, es muss ja spektakulär gebracht werden. Während an manchen Orten diese, im positivsten Sinne des Wortes, „Typen“, vielleicht ein unverständliches Kopfschütteln hervorrufen, werden sie im „Big Apple“ und anderen Metropolen schmunzelnd vereinnahmt. Sie durchbrechen die Monotonie.

Diese Alten waren mit Sicherheit schon in jungen Jahren selbstbewusste „schräge Vögel“ und mehr oder weniger außerhalb der Norm. Nicht erst auf die alten Tage, das ist keine Alterserscheinung. Sie und viele andere auch haben ihren Stil vor langer Zeit gefunden - und zwar nicht um aufzufallen oder andere zu beeindrucken, sondern für sich selbst. Weil es ihnen Spaß macht und sie sich so besonders wohl und individuell fühlen. Sich nicht in Schubladen packen lassen wollen als graue oder beige Maus. Ihre Kleidung ist nonverbale Kommunikation, mit ihr drücken Sie Ihre Einstellung zum Leben, zu Ihrem Umfeld und zu Ihre eigene Befindlichkeit aus. Es ist eine bewusste Ablehnung des Perfekten und Genormten und der Vorgaben, von wem auch immer.

Phänomen des Alters

Entscheidend ist jedoch, dass diese Merkmale von der jüngeren Generation positiv erkannt, ja geradezu bewundernd entdeckt und zum Phänomen des Alters deklariert werden. Etwas, was einem selbst vielleicht noch fehlt, was einem gefällt und das Auge anspricht und möglicherweise dem Alter vorbehalten ist. Ob man deshalb schön ist, wie der Titel sagt, das wohl eher nicht. Schönheit ist keine Frage von Klamotten oder Äußerlichkeiten, aber Sie kann durchaus ein Wohlbefinden ausstrahlen und vermitteln.

Mehr und mehr tauchen in der Werbung jetzt Testimonials auf Fotos auf, die jenseits der Fünfzig, Sechzig oder Siebzig sind. Immer mit der unausgesprochenen Feststellung, dass diese ja gar nicht so alt aussehen wie sie sind. Das trifft auf diese „ Prominenten“ und auf uns alle zu, wie sogar durch die Berliner Altersstudie, nach der sich die aktiven „Neuen Alten“ im Schnitt zwölf Jahre jünger fühlen als frühere Generationen, wissenschaftlich belegt wurde.

Ganz unwissenschaftlich stellt man dies selbst fest, wenn man Alben mit Familienbildern durchblättert und amüsiert und erleichtert konstatiert, welche Veränderungen zu vergleichbaren Zeitpunkten mit der Vorgeneration aus zu machen sind. Im Vergleich dazu sehen wir objektiv jünger aus, ohne in den missverständlichen Jugendwahn zu verfallen. Wer sich krampfhaft jünger macht als er ist, begeht die Gefahr der Lächerlichkeit.

Alter und Gesundheit sind ein Geschenk

Von der legendären Coco Chanel ist ein treffender Ausspruch überliefert, der lautet:“ Was eine Frau alt aussehen lässt, ist der verzweifelte Versuch, jung auszusehen!“ Alter und Gesundheit sind wie ein Geschenk, für das man dankbar sein soll und es ist notwendig sich um deren Erhaltung ständig zu bemühen.

Die ältere Generation, die in Deutschland immerhin ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmacht, fragt sich hin und wieder nach der angemessenen Wahrnehmung in der Gesellschaft und denkt dabei sicher an alles andere, als daran, ein Modetrend zu werden. Die Tatsache, dass man von den jüngeren Leuten plötzlich als „Trendsetter“ angesehen wird, sollte man nicht überbewerten. Aber sie zeigt eine positive Betrachtungsweise der Alten und dass das Alter auch durchaus Aspekte hat, die der jungen Generation nicht zu Verfügung stehen.

Flohmärkte sind eine Quelle der Anregungen

Altes, was die Jungen noch nie gesehen haben, ist für sie neu. Die Mode ist in der Ideensuche immer retrospektiv, nicht umsonst sind Flohmärkte eine Quelle der Anregung für viele junge Designer. Zunächst mag es nur eine Beeinflussung der Mode sein, aber dennoch nicht unwichtig. Denn eines muss man der Modebranche anerkennend zugestehen: sie verfügt über eine seismographische Sensibilität für Veränderungen und neue Entwicklungen. Dinge, die sich als erstes als Mode und in der Mode an der Oberfläche abzeichnen, haben oft einen tiefen sozialen Hintergrund und sind ein Signal für Veränderungen in der Gesellschaft.

Junge finden Alte gut - das ist gut! w.s.

 

Der 60pro Kommentar

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