Hintergrund

Autobiografie: Die Spuren des Lebens neu entdecken

Foto:pixelio.de/Ilse Dunkel
Foto:pixelio.de/Ilse Dunkel

So genannte Autobiografiker haben es sich zum Beruf gemacht, die Lebensgeschichte für ganz normale Menschen zu verfassen. Mit einer Biografie ordnet man sein Leben. Durch das Schreiben wird man sich seiner Kompetenz bewusst und erkennt neue Potenziale. Oft hört man von Freunden, man habe diese oder jene Eigenschaft. Mit einer Autobiografie behält man die Deutungshoheit und interpretiert sein Leben selbst.

Mit der Möglichkeit zur Autobiografie wurde ein neuer Markt kreiert, durch den eine konkurrenzlose Bibliothek der Lebensgeschichten entstanden ist. Deren Wert wird für die Nachkommenschaft sehr kostbar sein. Denn was hier erzählt wird, steht so in keinem Geschichtsbuch.

Erzählen ist menschliche Kommunikation

Die Kunst des Erzählens ist so alt wie die Menschheit selbst. So selbstverständlich das Erzählen ist, ist es zugleich ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Kommunikation. Jedes Leben hat seine einzigartige Geschichte. Alles Erlebte gerät aber auch wieder in Vergessenheit, wenn es nicht festgehalten und aufgeschrieben wird. Die guten Zeiten genauso wie die weniger guten, die Momente des Glücks wie die Stunden der Trauer.

Wie war das damals draußen an der Front? Und in den Bombennächten zu Hause? Was haben Vater und Mutter in den schlimmen Monaten der Vertreibung erlebt? Wie haben sich Oma und Opa kennen und lieben gelernt? Manch einem kommen solche Gedanken erst am Grab eines lieben Angehörigen. Wer hat heute angesichts der Hektik im Berufsleben und gebannt von Zeit fressenden Medienangeboten noch Muße zum Erzählen und Zuhören – zumal das Zeitalter der Mobilität viele Familien in alle Winde verstreut hat?

Wertvolle Erinnerungen gehen verloren

Gerade in unserer Zeit, in der kaum noch Tagebücher geführt oder persönliche Briefe verschickt werden, gehen wertvolle Erinnerungen unwiederbringlich verloren. Dabei wäre es für nachfolgende Generationen
von unschätzbarem Wert, mehr über die Geschichte ihrer Familie oder ihres Unternehmens, ja sogar ihres Lieblingstieres zu erfahren.

Die Spuren des Lebens: Die Autobiografiker wollen sie neu entdecken und aufzeichnen. Damit ist das Leben nach dem Tode noch lange nicht zu Ende und bewegende Geschichten eines Lebens bleiben noch für Generationen erhalten.

Das eigene Denkmal zwischen zwei Buchdeckeln hat heute Konjunktur. Dabei fordert der Rundumservice um die Lebensgeschichte den Autobiografen viel Einfühlungsvermögen, solides Handwerk und jede Menge investigative Energie ab.

Spaß am Blättern

Wenn nicht prominente Zeitgenossen ihre Lebensgesichte in die Hände von professionellen Schreibern legen, muss die Beratung sehr sachkundig und äußerst sensibel sein. Auch das gegenseitige Vertrauen ist wichtig. Das Buch darf keine trockene Aufzählung von Daten, keine Auflistung sattsam bekannter Fakten sein. Vielmehr ist Staunen, Spaß am Blättern, Lust am Innehalten, genaues Hinsehen, Freude an Erinnerungen, Wiederentdecken alter Geschichten angesagt.

Anlässe für eine Autobiografie gibt es genug. Sei es der Ruhestand, ein Jubiläum oder eine Silberhochzeit. Eltern können ihren Kindern zur Volljährigkeit eine Biografie schenken, der Bräutigam seiner Braut, die Freunde oder die Familie einem Jubilar. Die Mitarbeiter können ihrem Chef zum Firmenjubiläum gratulieren oder man macht sich selbst eine Freude und zieht ein Resümee seines Lebens. Alle diese Ereignisse und Erinnerungen sind zu kostbar, um sie nicht zu überliefern.

Stationen eines Lebens

Oft spüren die Menschen, dass die Zeit gekommen ist, etwas zurückzugeben, was einem letztlich nur auf Zeit geliehen wurde - Geschichte und Geschichten, Erinnerungen, wichtige Stationen eines Lebens. Diese Erfahrungen weiterzugeben, sie schriftlich festzuhalten, kann mit den Autobiografen gelingen.

In aller Regel geschieht das in Form eines Buches. Neuerdings gibt es aber auch die Möglichkeit der Videobiografie. Wie ist nun der Ablauf einer solchen Biografie-Arbeit zu sehen?

Zuerst wird die Idee gemeinsam besprochen und entschieden, welche Möglichkeiten der Umsetzung es gibt. Bei den zahlreichen Treffen berichtet der Auftraggeber, was er in dem Buch gerne erzählen möchte. Der Autobiograf stellt Fragen und hilft damit, mögliche Erinnerungslücken zu schließen und Inhalte zu vervollständigen. Der Text wird auf Tonband aufgenommen und der Auftraggeber kann dann beim Nachlesen entscheiden, ob es so seine Richtigkeit hat oder ob gegebenenfalls etwas zugefügt oder entfernt werden muss. Dann wird ein Konzept entwickelt, nach dem die Erinnerungen chronologisch oder nach Schwerpunkten geordnet erscheinen sollen.

Der nächste Schritt ist die Gestaltung des Buches bis zur Übergabe. Soll es als Paperback erscheinen oder ledergebunden, mit Goldschnitt sogar? Wie viele Exemplare sollen gedruckt werden?

Die Videografie braucht ein Drehbuch

Bei der Erstellung einer Videografie gibt es ein vergleichbares Procedere, nur mit dem Unterschied, dass es hier ein Drehbuch gibt, nach dem die Autobiografie gestaltet wird. Wichtig ist auch die Wahl des Drehortes, die Frage, welche Musik dem Film unterlegt werden soll und ob Spezialeffekte
verwendet werden sollen. Schließlich ist zu klären, auf welchem Medium die Videografie erscheinen soll - DVD, Mini-DV oder externe Festplatte?

„Ihr seid Zeitzeugen, erzählt uns davon!“ Diesem Wunsch nachzukommen und davon zu berichten, kann der Beginn einer Biografie sein. Die Spuren des Lebens neu zu entdecken wird eine wertvolle Erfahrung sein. Nicht ohne Grund meinte der Schriftsteller Erich Maria Remarque: “ Das Wunder, wenn man es erlebt, ist nie vollkommen. Erst die Erinnerung macht es dazu.“     geb
 


Wer weitere Informationen haben möchte, kann sich an folgende Adressen wenden:  

medial3@web.de   (Video)

info@frageundschreibe.de   (Buch)
 

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